Wir können uns den Pay Gap nicht mehr leisten
Am 5. November ist Equal Pay Day. Das bedeutet: Männer haben zu diesem Zeitpunkt bereits so viel verdient, wie Frauen erst bis zum Jahresende verdienen werden. Anders gesagt: Österreichs Frauen arbeiten 57 Tage gratis. Die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern sind nach wie vor groß. Das hat Folgen für das gesamte Leben von Frauen – vom geringeren Einkommen über schlechtere Aufstiegschancen bis hin zu niedrigeren Pensionen.
Die ungleiche Bezahlung ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern schadet auch der Wirtschaft. Denn wenn Frauen schlechter bezahlt werden und deshalb weniger arbeiten oder ihre beruflichen Möglichkeiten nicht ausschöpfen können, gehen dem Arbeitsmarkt dringend benötigte Arbeitskräfte verloren. Umso unverständlicher ist es, dass sich Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung gegen die Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie stellen. Sie wäre ein wichtiger Schritt, um sichtbar zu machen, wo Frauen und Männer für gleiche oder gleichwertige Arbeit unterschiedlich bezahlt werden.
Der Gender Pay Gap betrifft uns alle
Wer weniger verdient, kann weniger sparen, baut weniger Vermögen auf und ist häufiger finanziell abhängig. Das kann Frauen auch in schwierigen Lebenssituationen besonders verwundbar machen. Im Alter setzt sich dieser Nachteil fort: Frauen erhalten deutlich niedrigere Pensionen und sind deshalb häufiger von Altersarmut betroffen.
Mehr Geschlechtergerechtigkeit am Arbeitsmarkt bringt hingegen Vorteile für die gesamte Gesellschaft. Studien zeigen, dass gleiche Chancen und faire Bezahlung auch Beschäftigung, Produktivität und Wirtschaft stärken. Von gleichen Löhnen profitieren also nicht nur Frauen, sondern wir alle.
So fördert Wien Frauen in der Arbeitswelt:
Wien zeigt, dass es anders geht
Während Frauen in Österreich 57 Tage gratis arbeiten, sind es in Wien 39 Tage. Damit liegt Wien deutlich unter dem österreichweiten Durchschnitt. Das ist auch das Ergebnis zahlreicher Maßnahmen, mit denen unsere Stadt Frauen bessere Chancen am Arbeitsmarkt ermöglicht.
Dazu gehören flächendeckende und ganztägige Kinderbetreuung sowie Ganztagsschulen, die es erleichtern, Beruf und Familie zu vereinbaren. Auch der Wiener Arbeitnehmer:innen Förderungsfonds (waff) unterstützt Frauen gezielt beim Einstieg und Aufstieg im Berufsleben. Diese Maßnahmen zeigen Wirkung: Der Gender Pay Gap in Wien wird jedes Jahr um einen Tag kleiner.
Unser Ziel: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!
Wien macht vor, dass sich Lohnunterschiede verringern lassen. Damit das auch österreichweit gelingt, braucht es entsprechende Maßnahmen auf Bundesebene. Gemeinsam mit Frauenministerin Eva Maria Holzleitner setzen wir uns weiterhin für faire Bezahlung, gleiche Chancen und die rasche Umsetzung der Lohntransparenzrichtlinie ein. Denn jeder Tag, an dem Frauen weniger verdienen, ist ein Tag zu viel.
Was dir auch gefallen könnte:
Interview
Selbstbestimmung darf keine Frage des Geldes sein
Der Verein CHANGES for women unterstützt ungewollt Schwangere, die sich einen Abbruch nicht leisten können – schnell, unbürokratisch und ohne zu urteilen. Im Interview erzählt der Verein von den größten Hürden, konkreter Unterstützung und davon, was sich für einen selbstbestimmten Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen dringend ändern muss.
Girls in Politics
Wie sieht der Alltag einer Politikerin aus? Bei „Girls in Politics“, einer Initiative des Frauenministeriums, bekommen Mädchen und junge Frauen einen Tag lang die Möglichkeit, Einblick in die Politik zu gewinnen.
Her mit unserem Stück vom Kuchen!
Frauen leisten ein Leben lang – bezahlt und unbezahlt. Trotzdem bekommen sie im Alter deutlich weniger Pension als Männer. Wir setzen uns für faire Löhne, mehr Lohntransparenz und bessere Rahmenbedingungen für Kinderbildung und Pflege ein. Denn soziale Sicherheit im Alter beginnt mit Gleichstellung im Erwerbsleben.