25.09.2026

Selbstbestimmung darf keine Frage des Geldes sein

Der Verein CHANGES for women unterstützt ungewollt Schwangere, die sich einen Abbruch nicht leisten können – schnell, unbürokratisch und ohne zu urteilen. Im Interview erzählt der Verein von den größten Hürden, konkreter Unterstützung und davon, was sich für einen selbstbestimmten Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen dringend ändern muss.

CHANGES for women unterstützt ungewollt Schwangere, die sich einen Schwangerschaftsabbruch nicht leisten können. Wo liegen derzeit die größten Hürden beim Zugang zu einem sicheren Schwangerschaftsabbruch?

Der Schwangerschaftsabbruch ist die einzige medizinische Leistung, die noch im Strafgesetzbuch steht. Abtreibungen sind in Österreich nach wie vor nicht legal. Die Kosten dafür sind in Österreich nicht reguliert und sind in fast allen Fällen von den Personen selbst zu begleichen. Die Versorgungslage ist bei weitem nicht flächendeckend.

Wie sieht eure konkrete Unterstützung aus, wenn sich eine Person mit dem Wunsch nach einem Schwangerschaftsabbruch an euch wendet – und was brauchen die Betroffenen in dieser Situation besonders?

365 Tage im Jahr bearbeitet unser Team ehrenamtlich Anfragen von Menschen, die sich einen Schwangerschaftsabbruch schlicht nicht leisten können. Wir hören zu. Wir informieren. Wir unterstützen. Niederschwellig, rasch und vor allem: ohne zu urteilen. Niemand muss diese Entscheidung vor uns rechtfertigen.  Wir helfen mit der Übernahme der gesamten Kosten, einer Teilkostenübernahme oder mit der Gewährung eines zinsfreien Darlehens. Oft sind wir die ersten oder die einzigen, die unvoreingenommen und ohne zu urteilen zuhören und die benötigten Informationen objektiv geben können.

Welche Rolle spielt die finanzielle Situation beim Zugang zu einem Schwangerschaftsabbruch? Gibt es Gruppen, die dabei besonders häufig vor großen Hürden stehen?

In Österreich ist diese medizinische Leistung maßgeblich vom Kontostand abhängig. Die prekäre Situation der Personen, die bereits in finanzieller Not sind, verschlechtert sich noch mehr. Je nachdem, in welchem Bundesland der Abbruch stattfindet, ist mit Kosten bis zu 1600,- zu rechnen. Fahrtkosten und Kosten für Unterkunft oder eine Begleitperson sind dabei noch nicht inbegriffen. Das ist Geld, das anderswo fehlen wird. Bei den laufenden Kosten, wie Miete, Strom oder der Jause für die Kinder im Kindergarten.

Ihr arbeitet ehrenamtlich und seid auf Spenden angewiesen. Was motiviert euch, euch für einen niederschwelligen Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen einzusetzen?

Wir erleben tagtäglich, wie reproduktive Rechte weltweit immer mehr beschränkt werden. Wir erleben, dass der Staat sich weitgehend aus der Verantwortung zieht und wir wünschen uns, dass die Verantwortung für diese medizinische Versorgung endlich übernommen wird. In CHANGES fließen so viele Stunden an ehrenamtlicher Arbeit und so viele Menschen, die spenden und ermöglichen, dass wir unterstützen können. Und wir sind dankbar, dass es Menschen gibt, die nicht wegsehen, die unterstützen. Diese Solidarität motiviert uns.

Was müsste sich aus eurer Sicht politisch und gesellschaftlich verändern, damit jede Person unabhängig von Einkommen und Lebenssituation selbstbestimmt über eine Schwangerschaft entscheiden kann?

Wir sind überzeugt, dass reproduktive Selbstbestimmung nicht vom Kontostand abhängen darf. Dass diese laut WHO „essenzielle Gesundheitsleistung“ endlich und endgültig aus dem Strafgesetzbuch gestrichen und in der Verfassung verankert werden muss, steht für uns außer Frage. Wir fordern eine Lösung für die Übernahme der Kosten, im Idealfall durch die Krankenkassen. Und reproduktive Selbstbestimmung bedarf einer Entstigmatisierung. Vielen Personen ist es nicht einmal möglich, sich in ihrem privaten Umfeld anzuvertrauen und um Unterstützung bitten zu können – zu groß die Scham, zu groß die Angst vor Einflussnahme und Verurteilung.

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